Bio

Irina Georgieva – Pianistin

Die schweizerisch-bulgarische Pianistin Irina Georgieva konzertiert als Solistin und Kammermusikerin auf internationalen Bühnen in Europa, Asien und Südamerika.

Auftritte führten sie unter anderem in die Wigmore Hall London, den Wiener Musikverein, die Berliner Philharmonie, die Tonhalle Zürich, das KKL Luzern, das Gewandhaus Leipzig, den Palau de la Música Barcelona, die Liederhalle Stuttgart, das Konzerthaus Karlsruhe, das Konzerthaus Freiburg, das Kurhaus Wiesbaden, das Casino Bern und das Stadtcasino Basel.

Als Solistin gastierte sie mit mehr als fünfzehn renommierten Orchestern und arbeitete mit Dirigenten wie Ivor Bolton, Mario Venzago, Stefan Lano, Pablo González, Sascha Goetzel, Michal Nesterowicz und Juri Gilbo.

Georgievas besondere Vorliebe gilt grossformatigen, hochvirtuosen Werken. Ihr Repertoire umfasst mehr als zwanzig Klavierkonzerte, darunter Werke von Schumann, Tschaikowsky, Ravel und Gershwin, die sie regelmässig aufführt. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die fünf Klavierkonzerte Beethovens und die Klavierkonzerte Rachmaninows, von dessen Klavierwerk sie nahezu das gesamte Œuvre im Repertoire hat. Ihre Vorliebe für grosse pianistische Herausforderungen zeigt sich ebenso in ihrem Solorepertoire, etwa mit Ravels Gaspard de la nuit und Mussorgskys Bilder einer Ausstellung.

Kritiker beschreiben ihr Spiel als von „halsbrecherischer Virtuosität“ geprägt; gerade in technisch anspruchsvollsten Werken werden zugleich Klarheit, Differenzierung und ihre ausgeprägte erzählerische Gestaltung hervorgehoben.

Prägend für ihre künstlerische Entwicklung waren Marina Kapatsinskaya, Rudolf Buchbinder und Lazar Berman. Nach dem Gewinn des Steinway-Wettbewerbs in Berlin wurde Georgieva von Buchbinder in seine Meisterklasse an der Musik-Akademie Basel eingeladen; die intensive Zusammenarbeit erstreckte sich über sieben Jahre.

Weitere wichtige künstlerische Impulse erhielt sie von Lazar Berman.

Die Komponistin Sofia Gubaidulina würdigte Georgievas «Reichtum an Klangfarben, ihre musikalische Kraft, die Tiefe ihres künstlerischen Konzepts und ihren tadellosen Formsinn».

Ihre Diskografie umfasst Solo-, Kammermusik- und Orchesteraufnahmen. Bei Prospero Classical erschien ihre Einspielung von Rachmaninows 3. Klavierkonzert und der Rhapsodie über ein Thema von Paganini mit dem Sinfonieorchester Basel unter Pablo González und Sascha Goetzel. Die Aufnahme wurde für die International Classical Music Awards (ICMA) nominiert.

Mit ihrem aktuellen Soloprojekt „Das verlorene Paradies“ widmet sich Georgieva der Gesamtaufführung von Rachmaninows Études-tableaux op. 33 und op. 39. Sie versteht die einzelnen „Bilder“ als Teile eines grossen Zyklus und sucht nach den musikalischen, gedanklichen und strukturellen Zusammenhängen, die sich im Erleben des gesamten Opus eröffnen.

Neben ihrer Konzerttätigkeit engagiert sich Georgieva intensiv für die Förderung junger Musikerinnen und Musiker. Sie ist Gründerin und künstlerische Leiterin von PIANO TALENTS, initiierte den Franz Schubert Klavierwettbewerb für Kinder und Jugendliche und ist als Jurorin und Gastdozentin tätig.

Wettbewerbe & Auszeichnungen:

1984
1. Preis bei einem regionalen Wettbewerb in Bulgarien.
1989
3. Preis Internationaler Klavierwettbewerb in ÚstínadLabem, Tschechien.
1995
1. Preis Internationaler Steinway-Klavierwettbewerb in Berlin.
1999
2. Preis Nationaler Klavierwettbewerb für russische Musik, Bulgarien.
2001
Stipendium der Stiftung »Gerber-ten Bosch«. Beginn des Studiums an der Musikakademie Basel in der Meisterklasse des Konzertpianisten Rudolf Buchbinder.
2006
2. Preis und Preis des Publikums der International Piano Competition, Mallorca.
Diplom und Medalbei der Maria Canals InternationalPiano Competition, Barcelona.
2008
3. Preis und Interpretationspreis für zeitgenössische Musik, Internationaler Klavierwettbewerb Son Altesse Royal, Marokko.
1. Preis beim renommierten Klavierwettbewerb „Kurt Leimer“ in Zürich.

Mein Klavier und ich

Eine fast unmögliche Liebe

Ich war gerade fünf, als ich meine Liebe zum Klavier entdeckte. Meine Mutter ging damals gern in die Oper und auf Konzerte. Eines Tages beschloss sie, dass ich alt genug war, um sie zu begleiten. Ich stimmte begeistert zu, und wenige Stunden später sass ich in einem Konzertsaal. Den Moment, in dem der Pianist die ersten Tasten anschlug, werde ich niemals vergessen. Denn das war der Moment, in dem ich wusste, was ich werden will: Pianistin.
Allerdings war dieser Wunsch so gut wie unerreichbar. In den 1980er Jahren gab es nicht viele Klaviere in Bulgarien. Und die wenigen, die es gab, waren unheimlich teuer. Die Lage erschien mir aussichtslos. Obwohl ich nicht aufhören konnte, von einer Zukunft als Pianistin zu träumen, habe ich deshalb niemandem davon erzählt – bis zu jener Nacht:
Wieder einmal liessen mich meine Gedanken ans Klavierspielen nicht schlafen. Anders als die Wochen und Monate zuvor wurde mir in dieser Nacht jedoch schlagartig klar, dass es nicht so weitergehen konnte. Deshalb nahm ich all meinen Mut zusammen, weckte meine Mutter und erzählte ihr von meinem sehnlichsten Wunsch.
Wenn ich mich an mein Zuhause in Sofia erinnere, habe ich immer den Klang von Frauenstimmen im Ohr: beide Grossmütter, meine Mutter, meine Schwester, ich – wir alle haben immer gesungen. Meine Schwester sogar im Radio-Chor, was in der damaligen Zeit eine unglaubliche Ehre wahr. Trotzdem waren wir keine Musikerfamilie. Das einzige Instrument, das es bei uns gab, war die Geige meines Grossvaters. Vielleicht betrachteten meine Eltern meinen nächtlichen Überfall gerade deshalb als etwas Besonderes. Sie schienen zu ahnen, wie unglaublich wichtig es für mich war, Klavierspielen zu lernen. Deshalb versuchten sie das scheinbar Unmögliche: Sie setzten alles daran, mir ein Klavier zu beschaffen, sogar eines der deutschen Marke «Zimmermann».
Schlussendlich war es mein Grossvater, der eine Woche lang in der Schlange vor einem Musikgeschäft stand, in dem es eigentlich nur russische Klaviere zu kaufen hab. Dennoch kam er am Ende dieser Woche mit einem «Zimmermann» nach Hause. Natürlich hat meine Familie viel zu viel dafür bezahlt. Mir hat sie jedoch meinen grössten Wunsch erfüllt, wofür ich noch heute unendlich dankbar bin.
Als ich im Jahr 2001 dank eines Stipendiums der Gerber-ten Bosch Stiftung in die Schweiz kam, um mit dem bekannten Konzertpianisten Rudolf Buchbinder zusammenzuarbeiten, blieb mein kostbares Klavier in Sofia. Dort steht es bis heute. Mein Zuhause ist jetzt Basel. Dank meines «Zimmermanns» weiss ich aber, dass Musik, die aus Liebe entsteht, die Macht hat, jegliche Grenzen zu überwinden.

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